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Kreistagssitzung am 25. Juli 2022, in Eppingen

von links: Kreisrat Felix Gaida und Kreisrat Klaus Ries-Müller vor der Stadthalle in Eppingen

Pkt. 4: SLK-Kliniken Heilbronn GmbH
Wir wollen den Blick etwas weg von den Zahlen auf ein aktuelles Thema lenken.
In den USA gab es eine Untersuchung bei Krankenhauspatienten.
Dabei wurden zwei Gruppen betrachtet die nach einer Gallenoperation völlig gleich behandelt wurden. Der einzige Unterschied war, dass die eine Gruppe vom Krankenzimmer aus auf eine graue Mauer blickte, die andere Gruppen auf einen großen, kräftigen Baum.
Die eine Gruppe war 10 Prozent kürzer im Krankenhaus, schlief besser und brauchte weniger Schmerzmittel.  
Jetzt können Sie überlegen welche Gruppe dies war?
Es war die Gruppe die auf den großen, schönen Baum blickte.

Wir hatten dieses Beispiel mal vor Beginn des 2. Bauabschnitt erwähnt. (Kreistagssitzung im Juli 2015)
Das war als Hinweis für die Planer gedacht, dass vor lauter Technik und Sachzwängen die Bäume, das Umfeld nicht vergessen wird.
Aufgrund der aktuellen Hitzesituation möchten wir noch mal daran erinnern: Denn Bäume bzw. Pflanzen haben auch einen kühlenden Effekt. So sind in Stuttgart Begrünungen bei Neubauten bereits vorgeschrieben. Das bekanntere Beispiel dafür ist sicher Singapore, wo sich Begrünungen über ganze Hochhausfassaden erstrecken.
Eine deutliche Temperaturabsenkung von rund 10 Grad ist dabei möglich.

Übrigens - auch Photovoltaik-Anlagen (egal ob an der Fassade oder auf dem Dach) sorgen für eine Abkühlung, da über 20% der eingestrahlten Energie gleich in Strom umgewandelt werden.

Wir von der ÖDP bitten, dies besonders für die Krankenhaus-Gebäude zu berücksichtigen!


Pkt. 5: Krebsbachtalbahn  
Als Gemeinderat von Bad Rappenau habe ich mir bei so manchen Argumenten gegen die Reaktivierung der Krebsbachtalbahn des Öfteren die Augen gerieben!
Hätten die Entscheidungsträger in Kreis Heilbronn vor 20 Jahren auch so argumentiert, dann hätten wir heute keine Stadtbahn im Kreis Heilbronn.
Dabei hat der alles entscheidende Kosten-Nutzen-Faktor der Krebsbachtalbahn einen hervorragenden Wert von 1,43. D. h., dass jeder investierte Euro erzeugt einen Nutzen von 1,4 Euro. In anderen Worten: Die Krebsbachtalbahn führt zu einer deutlichen Verkehrsvermeidung auf der Straße, zur Einsparung von Schadstoff- und CO2-Emissionen.
Nicht umsonst hat das Land einer kompletten Finanzierung der laufenden Kosten zugestimmt.
Dabei wurden diese Prognosen der Kosten-Nutzen-Berechnung wurden in der Vergangenheit immer übertroffen. Die Stadtbahn ist ein Erfolgsmodell, für die Anliegergemeinden und für die Region!
Zu den konkreten Vorteilen:
- Die Fahrzeiten verkürzen sich deutlich: Zum Beispiel vom Bahnhof in Bad Rappenau zum Ortsteil Obergimpern von heute knapp 20 Minuten auf 5 Minuten (Bus über Siegelsbach und Vulpius-Wohngebiet).  
- Er gibt jede Stunde eine durchgehende Verbindung nach Neckarsulm/Heilbronn (wichtig: Ohne Umsteigen!) und Neckarbischofsheim/Meckesheim.
- Bad Rappenau als Bahnknotenpunkt wird aufgewertet. Vom Bahnhof Bad Rappenau gibt es nach der Reaktivierung eine alternative Bahnverbindung über die Krebsbachtalbahn nach Mannheim zum Fernverkehr.
- Die bessere Anbindung ist nicht nur für Eltern mit schulpflichtigen Kindern interessant (Stichwort: Einsparung Eltern-Taxi), sondern auch eine Mobilitätsgarantie für Ältere und Rollstuhlfahrer.

Verständlich, dass bei der Bürgerbefragung nach der 3-stündigen, öffentlichen Informations-veranstaltung knapp 90% der anwesenden Obergimperner für die Reaktivierung gestimmt haben. Auf die Gesamtstadt bezogen lag die Zustimmung bei knapp 70%.
Da ist es nur konsequent, dass aus der Bürgerschaft ein Bürgerbegehren in die Wege geleitet wurde, um die Ablehnung des Gemeinderates zu kippen.

Ich will kurz auf die Argumente der Gegner eingehen:
Thema Flächenverbrauch:
Für die Neubaustrecke von 2,7 Kilometer werden 2,5 Hektar Fläche benötigt. Diese Fläche wird aber keinesfalls versiegelt, da die Schienen auf Schotter liegen und da die Böschungen wieder naturnah bepflanzt werden.
Nur zum Vergleich: Aktuell sind in B. R. 8 neue Baugebiete in Arbeit mit einem Flächenverbrauch von über 30 Hektar. Seltsam - hierzu gab es keinerlei Kritik am Flächenverbrauchs.  
Gymnasiale Oberstufe:
So wird auch angeführt, dass durch die Krebsbachtalbahn weitere Schüler zum Gymnasium nach Neckarbischofsheim abwandern, was eine eigene gymnasiale Oberstufe für Bad Rappenau erschwere.  Bad Rappenau ist bereits 2018 mit einem Antrag auf eine gymnasiale Oberstufe gescheitert, da die erforderlichen Schülerzahlen bei weitem nicht erreicht wurden. Daran hat sich seitdem nichts geändert, nur dass Bad Wimpfen kürzlich 33 Million Landes-Fördermittel für den Umbau des Gymnasiums erhalten. Wird da das Land in 5 Km Entfernung noch mal einen 2-stelligen Millionenbetrag ausgeben?
Schrankenschließzeiten:
Mitten im Kernort gibt es in Bad Rappenau 2 Bahnübergänge. Der deutlich häufiger geschlossene Bahnübergang Richtung Heilbronn ist gar nicht betroffen. Die Stadtbahn, die später nach NBH fährt, steht heute schon im Bahnhof und fährt nach längerer Wartezeit wieder zurück nach HN. Zukünftig wird diese Stadtbahn weiter nach NBH fahren. Das führt beim 2. Bahnübergang Richtung Sinsheim pro Stunden und Fahrtrichtung jeweils 1 bis 1,5 Minuten Wartezeit.
Für manche Autofahrer ist das wohl nicht akzeptabel. Als Autofahrer will ich freie Fahrt für mich. Die Stadtbahn brauche ich nicht.
Das trifft den Kern des Problems bzw. die Ursache mancher Ablehnung.
Von der Reaktivierung profitiert vor allem Obergimpern und natürlich NBH. Als Stadtrat aus einem Ortsteil, der keinen Stadtbahnanschluss bekommt oder schon einem hat, bringt mir ein zusätzlicher Halt in Obergimern nichts.
Diese persönlichen Eigeninteressen verhindern dann einen zukunftsfähigen, am Gemeinwohl orientierten ÖPNV für die gesamten Region. Die Solidarität in der Region bleibt dabei auf der Strecke.
Diese persönlichen Befindlichkeiten (= Eigeninteressen) sind für mich der wahre Grund für die Ablehnung.
Die o. g. Gründe werden dann oft nur vorgeschoben!

Die Einrichtung einer weiteren Stadtbahnlinie von Bad Rappenau nach Neckarbischofsheim ist eine einmalige Chance für die Region.
Selbstverständlich stimmen wir von der ÖDP für die Reaktivierung und hoffen auf eine solidarische Abstimmung beim Bürgerentscheid.